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Newsletter – April 2017

Editorial – »Köln spezial« aktuell: Schreiben am RheinStilistico-Schreibreisen im Sommer 2017 Schreibworkshop: Vier Tage für Ihren Roman Aktuelle VolkshochschulkurseSchreibtipp: Heldenreise und Schneeflocke?Buchtipp: »Plot & Struktur« von Stephan WaldscheidtNeuerscheinung: »Die fremde Schuld« von Utta Kaiser-Plessow

Editorial

Liebe Autorinnen und Autoren, liebe Schreibinteressierte,

wo schreiben Sie am liebsten? Da die Arbeitsgeräte heute zumeist mobil sind, haben Sie die Wahl, und die hängt von persönlichen Vorlieben, Gewohnheiten und der Lebenssituation ab. Am praktischsten ist sicher der Schreibplatz zu Hause, doch mancher schwört darauf, im Café oder Museum, auf Bahnfahrten oder an anderen belebten Orten am besten schreiben zu können. Das galt übrigens auch für Erich Kästner, der den größten Teil seines Werks in Cafés und Bars schrieb (mehr darüber erfahren Sie im September in Berlin). Ich liebe es, zwischendurch übers Meer bis zum Horizont zu blicken. Ein Ort, an dem die Alltagspflichten ausgeblendet werden können, fördert Konzentration und Kreativität besonders gut.
In der Reihe Köln spezial haben Sie häufiger Gelegenheit, neue Schreiborte zu testen. Dass Museen und der Botanische Garten die Gedanken beflügeln, haben einige von Ihnen bereits festgestellt. Demnächst können Sie das Schreibpotenzial des Rheins erkunden.
Jetzt haben natürlich Schreibplätze an der frischen Luft Hochkonjunktur. Ein wenig Sonnenschein gehört auch dazu. Auf dem Balkon, im Park, auf der Terrasse oder im Biergarten werden alle Sinne angeregt und die Buchstaben fügen sich fast von allein zu Wörtern, Sätzen und Texten.

Genießen Sie den Frühling und das Schreiben an Ihrem Lieblingsort, das wünscht Ihnen
Ihre Isa Schikorsky

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»Köln spezial« aktuell: Schreiben am Rhein

Der Rhein ist ganz sicher einer der am meisten bedichteten Flüsse der Welt. Vor allem, als im 19. Jahrhundert die Rheinromantik entstand, wurde es für deutsche Schriftsteller fast zur nationalen Pflicht, den Rhein in Legenden, Sagen, Gedichten, Liedern und Erzählungen zu rühmen. Wie ist es heute? Hat uns »Vater Rhein« noch etwas zu sagen? Probieren Sie es aus. Suchen Sie sich Ihren Lieblingsplatz zwischen Hohenzollernbrücke und Deutzer Brücke, schauen Sie aufs Wasser oder auf die Passanten, lassen Sie Ihre Gedanken und Blicke schweifen und fangen Sie die Wörter und Texte ein, die Ihnen entgegenfliegen. Auf einer kleinen Promenade entlang des Rheins verbinden wir anschließend die Ergebnisse Ihrer Erkundungen mit literarischen Zeugnissen aus Vergangenheit und Gegenwart. Donnerstag, 11. Mai 2017, 10–13 Uhr, 20 Euro. Bitte melden Sie sich bis 8. Mai telefonisch (0221 4856490) oder per E-Mail an.

Bitte schon mal vormerken: Der literarische Spaziergang Auf Heinrich Bölls Spuren durch die Südstadt findet am 20. Juli 2017, 18.30–20 Uhr, statt.(top)


Stilistico-Schreibreisen im Sommer 2017

Warum schreiben Sie? Welches sind Ihre Ziele? Wohin soll das Schreiben Sie führen? Welche Arbeitsweise ist für Sie ideal? Diese Fragen stehen im Zentrum eines Wochenendseminars vom 23. bis 25. Juni 2017 in Marbach am Neckar. Unter dem Thema Literarische Arbeitsweisen erkunden geht es darum, dass Sie Ihren ganz persönlichen Schreibweg finden und ihn auch auf spielerisch-experimentelle Weise erkunden. Zum Abschluss erhalten Sie im Literaturmuseum der Moderne Einblicke in die Schreibstuben und Arbeitsweisen berühmter Autoren und Autorinnen. Bitte melden Sie sich bis zum 18. Mai 2017 an.

Sie benötigen Zeit für Ihre Geschichten? Sie möchten den Alltag für eine Weile hinter sich lassen, frische Schreibenergie gewinnen, die Natur sowie ein reichhaltiges Wellness- und Beautyangebot genießen und sich kulinarisch verwöhnen lassen? Dann sollten Sie sich zum Seminar vom 3. bis 6. August 2017 anmelden. Im Romantikhotel Stryckhaus, direkt am Wald gelegen, werden Sie sich wohlfühlen. Es bietet die ideale Verbindung von Entspannung und Anregung zum Schreiben. Bitte melden Sie sich bis zum 3. Juli 2017 an.(top)


Schreibworkshop: Vier Tage für Ihren Roman

Für einige Autoren und Autorinnen ist der Workshop in Leverkusen zum Fixpunkt der Urlaubsplanung geworden. Sie reizt die Möglichkeit, vier Tage (vom 25.–28. Juli 2017) intensiv an einem Schreibprojekt zu arbeiten, sich mit anderen austauschen und das Handwerkszeug noch ein wenig verfeinern zu können. Den Erfolg des Konzepts belegen zahlreiche Veröffentlichungen von Werken, die in diesem Workshop geplant oder ein Stück vorangetrieben wurden. In den knappen Theoriephasen stehen diesmal Aspekte der szenischen Gestaltung von Erzähltexten und der Überarbeitung im Mittelpunkt. Bitte melden Sie sich bis zum 3. Juli 2017 direkt an der VHS Leverkusen (telefonisch: 0214-406-4188) an. Der Seminarort ist übrigens auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen. Auswärtigen Interessenten schicke ich gern eine Liste mit Übernachtungstipps. (top)


Aktuelle Volkshochschulkurse

Eine Szene machen – an diesem Wochenende (6. und 7. Mai 2017, jeweils 11 – 17 Uhr) an der VHS Köln-Lindenthal ist das erlaubt, ja ausdrücklich erwünscht. Im Seminar Szenisch erzählen (L-382250) erfahren Sie, wie Sie Romane und Erzählungen so anschaulich gestalten, dass beim Lesen ein innerer Film abläuft. Dazu gehören eine spannende Handlung, aktive Figuren, aufregende Dialoge und sinnliche Schauplätze.

Selbstpublizieren liegt im Trend. Immer mehr Autoren nutzen die kostengünstigen und einfachen neuen Verfahren, um E-Books und klassische Bücher auf den Markt zu bringen. Sie erhalten an diesem Abend einen Überblick über die Funktionen, Vor- und Nachteile, Kosten und Verdienstmöglichkeiten sowie über die einzelnen Planungsschritte. VHS Köln-Lindenthal, Mittwoch, 24. Mai 2017, 18–21.45 Uhr (L-382245)

Jede Menge Kreativität können Sie beim Sommergeschichten schreiben (A-382290) an der VHS Köln-Lindenthal entwickeln (17.–20. Juli 2017, jeweils 10–14.30 Uhr). Es gibt zahlreiche Anregungen, unter anderem können Sie durch das Stadtviertel streifen, sich von Passanten, Parks und Gebäuden inspirieren lassen. Für alle, die Spaß am Schreiben haben oder gewinnen möchten.(top)


Schreibtipp: Heldenreise und Schneeflocke?

Wie wichtig sind Strukturvorgaben für das Plotten von Romanen? Darüber wird unter Autoren und Autorinnen heftig debattiert und gestritten. Die bekanntesten Muster sind »Heldenreise«, »Schneeflockensystem« und »Drei-Akt-Struktur«, da wird gefachsimpelt über Plotpoint, Pinchpoint, Mirror-Moment, Twist usw. So mancher fühlt sich von dem Begriffswirrwarr überfordert und fragt sich, ob er erst Listen von Fachwörtern pauken muss, bevor er endlich schreiben darf. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Absolutheit, mit der die jeweilige Methode zuweilen als einzig sinnvolle verteidigt wird. Die meisten wollen gerade nicht nach Schema F arbeiten, sondern auf ihre eigene Weise erzählen.

Dabei kann es sehr sinnvoll sein, sich das Strukturmodell des Erzählens genauer anzusehen, denn es ist – zumindest in seiner Grundform – erstens sehr einfach und zweitens sehr alt und universell. Es ist das, was in verschiedenen Kulturen und zu allen Zeiten unter einer Geschichte verstanden wurde und wird. Wir haben dieses Modell so sehr verinnerlicht, dass uns nur auffällt, wenn es nicht beachtet wird.

In meinen Seminaren erzähle ich gern folgende Geschichte: Gestern bin ich in die Stadt gegangen, um mir einen Rock zu kaufen. Gleich in der ersten Boutique fand ich genau das, was ich suchte. Ich habe den Rock gekauft und bin wieder nach Hause gegangen.

Die Zuhörer reagieren mit irritierten bis ungläubigen Blicken: Wie, schon zu Ende? Das soll eine Geschichte sein? An diesem kruden Beispiel leuchtet es jedem unmittelbar ein: Nein, das ist nicht das, was wir von einer Geschichte erwarten. Und jeder weiß sofort, was fehlt: das Außergewöhnliche, das Problem, das gelöst werden muss. Im Alltag kann es ein Missgeschick sein: Ich stelle beim Bezahlen fest, dass ich mein Portemonnaie vergessen habe (und ich brauche den Rock ganz dringend für einen Termin) oder eine andere Kundin schnappt mir meinen Traumrock vor der Nase weg (und es gibt keinen weiteren davon in meiner Größe). Der Zuhörer will wissen, wie ich das Problem gelöst habe. Ist es mir gelungen, der Rivalin den Rock wieder abzuschwatzen? Mit welchem Trick konnte ich die Verkäuferin dazu bringen, mir den Rock ohne Bezahlung mitzugeben? Und schon wird das Grundmuster erkennbar: Es gibt eine Alltagssituation, dann passiert etwas, woraus sich ein Problem ergibt, ich versuche es zu lösen, es gelingt oder misslingt.

Alle Strukturmethoden, egal welchen pompösen Namen sie tragen, fußen auf diesem einfachen Modell: Einleitung, Hauptteil, Schluss; Ausgangssituation, Problem, Lösung. Sicher, im Roman sollte alles größer sein als in der Realität, also auch das Problem existenzieller, die Lösungsversuche intensiver, die Widerstände heftiger und die überraschenden Wendungen zwischendurch weniger berechenbar. Und ganz klar: Die Spannung muss bis kurz vor Ende des Romans bestehen bleiben, sollte sogar noch ansteigen.

Sie möchten es gern genauer wissen? Im Internet finden Sie eine Fülle von Informationen zu den gängigen Strukturmodellen, an denen Sie sich orientieren können und die Sie ganz oder in Teilen für Ihr Romanprojekt nutzen können.

Die »Heldenreise« ist ein mythologisches Modell, das so alt ist wie das Erzählen selbst und das sich bereits an Homers Odyssee eindrucksvoll studieren lässt. Gezeigt wird der Held (Protagonist) auf seiner Reise durch die Welt, bei der er zahllose Gefahren meistern muss. Es lässt sich auf jeden Plot übertragen, wird jedoch am häufigsten für Fantasy genutzt. Genaueres erfahren Sie in einem Wikipedia-Artikel zu den Zyklen der Heldenreise von Joseph Campell und Christopher Vogler. Knapp und gut verständlich ist Die handliche Heldenreise-Übersicht von Marcus Johanus.

Bei der »Schneeflockenmethode« handelt es sich um ein von Randy Ingermanson entwickeltes Verfahren, bei dem der gesamte Roman von einer Idee aus geplottet wird. Vorbild ist die Entstehung einer Schneeflocke: An ein gefrorenes Wassertröpfchen lagern sich immer weitere Kristalle an. Analog dazu wird von einem Satz aus der Roman gebaut. Der erste Schritt ist zugleich der schwierigste, denn der Basissatz soll die Kernaussage der Geschichte enthalten. Daran lagern sich Schritt für Schritt weitere Informationen an, bis der zehnte schließlich das Schreiben der Geschichte als finale Erweiterung der szenischen Grundstruktur vorsieht. Der Vorteil: Man weiß, wie die Geschichte enden wird, wenn man mit dem Schreiben beginnt. Einen anschaulichen Überblick über das Verfahren gibt zum Beispiel die Schreibtrainerin Anette Huesmann.

Die Drei-Akt-Struktur (1. Exposition, 2. Entwicklung, Zuspitzung, Konfrontation, 3. Auflösung) mit den entsprechenden Wendepunkten erklärt Ron Kellermann sehr fundiert. Sein Buch »Fiktionales Schreiben« ist leider nur noch antiquarisch (zu überhöhtem Preis) erhältlich. Hilfreiche Infos gibt es unter dem Blog http://filmschreiben.de/(top)


Buchtipp: »Plot & Struktur« von Stephan Waldscheidt

Der Buchtipp passt diesmal zum Schreibtipp: Stephan Waldscheidts Ratgeber will helfen, Plot und Struktur von Romanen zu verbessern. Um das Buch mit Gewinn nutzen zu können, sollten Sie mit der Drei-Akt-Struktur grundsätzlich vertraut sein, denn daran orientiert Waldscheidt sich. Er stellt sie allerdings zu Beginn kurz vor. Bestens geeignet ist das Buch als Begleitlektüre, wenn Sie selbst gerade damit beschäftigt sind, einen Roman zu plotten. Dann können Sie auch die »Musenküsse« genannten Schreibanregungen zu jedem Kapitel direkt in die Praxis umsetzen. Die meist relativ kurzen Kapitel (mehr als 70 insgesamt) sind den drei Akten zugeordnet, außerdem gibt es noch allgemeine Oberkapitel, unter denen Abschnitte zu Einzelaspekten subsumiert werden, die allerdings keiner erkennbaren Ordnung folgen. Da zudem die Überschriften oft originell sind, nicht immer aber den Inhalt erklären, ist eine gezielte Suche kaum möglich. Positiv zu vermerken sind die zahlreichen anschaulichen Beispiele aus Spielfilmen und Gegenwartsromanen und die Profitipps mit Aha-Effekt. Sie erfahren zum Beispiel, dass es wichtig ist, das Ziel des Protagonisten konkret zu benennen, die Wandlung vom »Wanderer zum Kämpfer« in einer Szene direkt zu zeigen und viele stichhaltige Gründe für das Misslingen der Mission des Helden anzuführen, um seinen späteren Sieg noch strahlender erscheinen zu lassen.

Die Sprache ist direkt und lässig, zuweilen sind Formulierungen und Begriffe leider auch unscharf oder falsch verwendet (»ein Epos ohne Szenen«), die Argumentation ist mitunter sprunghaft, die bildlichen Vergleiche sind manchmal sehr treffend, manchmal aber auch widersprüchlich, die Fachbegriffe etwas zu bombastisch. Für fortgeschrittene Autoren und Autorinnen, die ihre Plots noch weiter optimieren möchten, ist das Buch aber auf jeden Fall ein Gewinn. Sie können sich aus der Fülle der Hinweise die heraussuchen, die ihnen für ihr Vorhaben nützlich erscheinen.

Stephan Waldscheidt: Meisterkurs Romane schreiben: Plot & Struktur – Dramaturgie, Szenen, dichteres Erzählen, 2. Auflage 2016, 238 S., 15,99 € (top)


Neuerscheinung: »Die fremde Schuld« von Utta Kaiser-Plessow

Es freut mich immer ganz besonders, wenn wieder einmal (was gar nicht so selten passiert) ein Teilnehmer oder eine Teilnehmerin aus einem meiner Schreibkurse einen Verlag für sein oder ihr Manuskript begeistern konnte. Im Autorenforum haben wir die Entstehung des Kriminalromans von Utta Kaiser-Plessow mit großem Interesse begleitet. Jetzt ist er erschienen und er ist noch raffinierter geworden, als an den Auszügen zu erkennen war, die die Autorin zur Diskussion gestellt hat.

Gleich in den ersten Zeilen wird die doppelte Identität einer Hauptfigur angedeutet und dadurch Neugier erzeugt. Schnell wird klar, dass sie die Strafe für eine Tat verbüßt, die sie nicht begangen hat. Doch sie beschwert sich nicht, sondern empfindet die Haft als eine Art ausgleichender Gerechtigkeit.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei ungleiche Frauen: eine elegante, reise- und lebenslustige Witwe und eine biedere Bibliothekarin, einsam und frustriert, aber nicht wirklich unglücklich. In Rückblenden führt Kaiser-Plessow zurück an den Beginn der Geschichte und schildert mit sehr viel Einfühlungsvermögen, wie jemand ganz allmählich in ein anderes Leben hineingleitet, dabei seine Persönlichkeit verändert und gewissermaßen ein anderer Mensch wird. Wir erfahren außerdem von einer großen Enttäuschung in der Liebe und vielen kleinen Träumen, die unerfüllt blieben.

Als die Schuld beinahe getilgt zu sein scheint, die Entlassung absehbar ist und die Protagonistin sich darauf vorbereitet, in die Eigentumswohnung mit Rheinblick im feinen Kölner Stadtteil Rodenkirchen zurückzukehren, kommt eine dritte Figur ins Spiel und dreht die Handlung erneut. Dass die Einzelheiten des komplexen Kriminalfalls akribisch recherchiert sind, versteht sich bei einer Juristin von selbst. Freuen Sie sich auf einen spannenden Roman mit überraschenden Wendungen, der nicht nur die Vertrautheit der Autorin mit ihrer Heimatstadt Köln verrät, sondern auch nach Paris und Australien führt.

Utta Kaiser-Plessow: Die fremde Schuld. Köln-Krimi. Rheinbach: CMZ-Verlag  2017, 178 S., TB 12,95 € (top)

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